Der Trend von Morgen: Umbau anstatt Neubau!


Der Neubau boomt so stark wie nie in Deutschland. Doch selbst die nachhaltigste Bauweise ist gegenüber einer Renovierung verschwenderisch. Experten empfehlen daher: Umbau anstatt Neubau. In Frankreich und Holland ist diese tatsächlich nachhaltige Denkweise bereits standard. Ein Umbau lohnt sich.

Eine Modernisierung von Hochhäusern ist nachhaltiger als ein Neubau. (Foto: Martin Abegglen)

Eine Modernisierung von Hochhäusern ist nachhaltiger als ein Neubau. (Foto: Martin Abegglen)

Heute werden täglich 73 Hektar Land an Wohn- oder Straßenbauten vergeben. Dahinter steckt aber nicht nur eine zukunftsorientierte Planung der Infrastruktur. Grundstücke und Häuser, Immobilien im Allgemeinen, gelten heutzutage als sehr beliebte Anlageform. Es wird ohne Ende gebaut. Doch das sei nicht der richtige Weg.

Daniel Furhop ist Immobilienexperte und Autor des kürzlich veröffentlichten Buches „Verbietet das Bauen“. Er möchte die gesamte Bauwirtschaft zum Umdenken bewegen. Der Titel verrät bereits, dass es sich um eine neue, aber auch provozierende Kritik der jetzigen Baukultur handelt.

Sieben Millionen neue Wohnungen in 20 Jahren

Die Einwohnerzahl hat sich in Deutschland in den letzten 20 Jahren nicht geändert. Wir waren immer ungefähr 80 Millionen. Mal mehr, mal weniger. Trotzdem wurden seit 1995 sieben Millionen neue Wohnungen gebaut.

Wenn wir nicht immer mehr Platz verlangen würden, wäre das kein Problem. Neubauten sind schöner, vor allem aber größer konzipiert als alte Häuser. In logischer Konsequenz werden Altbauten nacheinander abgerissen, um Platz für größere Häuser zu machen.

Alternative zum Abriss: Recyceln

Ein Abriss kostet viel Geld und verschwendet unnötig viele Ressourcen. Anstatt neu zu bauen sollte man alte Gebäude recyceln, für Zukunft fit machen. Aus alt mach neu.

Ökoeffizienz

In der heutigen Zeit darf es nicht nur noch um größer und schöner gehen. Es muss auch besser und effizienter sein. Der Umweltverbrauch muss beim Bau gehörig sinken. Am Endergebnis muss aber nicht gespart werden. Man kann auch mit weniger Ressourcen, Energie und Aufwand ein besseres Ergebnis erzielen, schreibt Erneuerbare-Energien-News.

Neue Gesetze schreiben immer mehr Nachhaltigkeit beim Bau vor. Was in der Zukunft eingespart wird, wird beim Bau neuer Häuser aus dem Fenster geschmissen. Wenn man doppelt so viel baut wie früher, dann kann man so nachhaltig bauen wie man möchte. Die Rechnung geht im Gesamtbild nicht auf. Diesen Denkfehler muss man sich erst einmal bewusst machen. Das Problem ist nicht das WIE gebaut wird, es ist DAS gebaut wird.

Nachhaltigkeit in allen Ehren

Im internationalen Vergleich hinken wir hinterher. In Frankreich und den Niederlanden hat ein Umdenken bereits stattgefunden. Mit großen Augen bewundern wir die Kunst des Recycelns. Mit nur wenigen Handgriffen wurden heruntergekommene Hochhäuser zu bewohnbaren, futuristischen Gebäuden verwandelt.

Gemeinden in Deutschland sind auf diesen Zug noch nicht aufgesprungen. Selbst wenn die Bevölkerung in schrumpft, wird weiter gebaut. Bauland wird knapp, Häuser stehen leer und Ressourcen werden verschwendet.

Furhob erfindet die Baukultur neu

Im Buch erklärt Daniel Fuhrhob warum ein Neubau überflüssig ist. Seiner Philosophie zufolge müssen Architekten, Politiker, Stadtplaner und Bauherren ihr bisheriges Verhalten bezüglich Neubauten umdenken. Der Autor empfiehlt: nicht neu bauen, sondern modernisieren. Leere Gebäude erfassen und nutzen. Kreativ und attraktiv umbauen.

Ignoranz, die teuer wird

Die Vorschläge von Daniel Fuhrhob will heute ja keiner hören. Ein Umbau sei lange nicht so lukrativ wie ein Neubau. Das stimmt, profitorientierte Menschen sehen aber nur die kurzzeitigen Vorteile. Irgendwann wird die Baulust gebremst und die heutige Generation der Architekturstudenten muss den Mist ausbaden. Aber so ist nun mal die Welt: anstatt präventiv zu denken und handeln wird so viel Geld gemacht bis es nicht mehr geht.

Die Hoffnung ruht in den Unis

Gut, dass Bildungseinrichtungen dieses Problem bereits erkannt haben. Studenten werden heute schon für die Probleme für morgen fit gemacht. Dafür wird den meisten Absolventen praktische Erfahrung beim Umbau von alten Gebäuden angeboten. Das Ziel wird nämlich sein, historische Häuser zu schützen und bewohnbar zu halten.

Viele Unis planen sogar ihr Studienangebot dem aktuellen Trend anzupassen. Die Nachfrage für Fächer wie Denkmalpflege oder Baugeschichte wird in Zukunft steigen. Mit dem Bewusstsein des Problems steigt auch die Bereitschaft etwas dagegen zu tun.

Experten sind sich also mit der neuen Generation, welche ein aufgewecktes Bewusstsein für Verschwendung und Nachhaltigkeit hat, einig. Unsere Abriss- und Neubaukultur hat keine Zukunft. Die Verschwendung von Energie und Materialien ist viel zu groß.

Intelligent recyceln

Bevor man sich über das Recyceln von Abrissmüll streitet, sollte man lieber bestehende Gebäude zum überleben verhelfen. Kostet weniger und ist gesünder für die Umwelt.

Deutschland ist Weltmeister im recyceln. Das ist toll, aber nicht toll genug. Wenn wir Gebäude renovieren und aufpäppeln gäbe es nichts mehr zum recyceln. Wie hört sich das an?

Bis wir dahin kommen ist es noch ein langer Weg. Die Politik vergibt Vergünstigungen und attraktive Möglichkeiten für Neubauer. Daniel Fuhrhop will davon weg. Er möchte eine Kultur, die intelligent recycelt, anstatt verschwenderisch neu baut.