Flachdächer steigen in der Gunst der Deutschen


Bei Architekten, Bauträgern und Bauherren feiern Flachdächer derzeit eine wahre Renaissance. Einerseits gelten sie seit dem Bauhaus als Bekenntnis zum Wesentlichen, sozusagen zur reinen Architektur. Andererseits ist das Flachdach heute einfach praktisch, preiswert und technisch ausgereift.

Luxusvilla mit Flachdach

Luxusvilla mit Flachdach

Nicht immer herrschte eine solche Begeisterung für das Flachdach wie heute. In den 60-er Jahren war es in die Baukunst der Moderne eingekehrt. Doch dann führten Konstruktionsfehler und Pfusch am Bau zu schweren Schäden, und das Flachdach bekam ein entsprechend schlechtes Image.

Doch inzwischen haben sich die Bedenken gegen das Flachdach als unbegründet erwiesen. Laut einer aktuellen Studie des Düsseldorfer Marktforschungsunternehmens BauInfoConsult wird das Flachdach im Neubau von rund 12 Prozent aller Bauherren bevorzugt. Dass es nicht noch mehr sind, hat viel mit den Bebauungsplänen zu tun.

„Heutzutage haben Bauherren oft bei der Auswahl ihres Daches wenig Freiheiten“, zitiert DIE WELT Dietrich Kabisch, Berater beim Bauherren-Schutzbund in Berlin. Sie müssen sich nämlich an Bebauungspläne der Kommunen halten. Und diese enthalten oft Vorschriften wie die, dass nur Satteldächer erlaubt sind oder dass das Dach eine bestimmte Mindestneigung haben muss.

Dabei sind die oftmals unzulässigen Flachdächer sehr praktisch. „Damit lässt sich das obere Geschoss optimal zum Wohnen nutzen, da es keine Schrägen gibt wie beim Sattel- und Walmdach“, sagt Kabisch.

Zudem sind Flachdächer bestens für eine Begrünung geeignet. Dies spielt für immer mehr Bauherren eine wesentliche Rolle. Denn mit dem Bepflanzen können sie etwas für die Umwelt tun und auf diese Weise die Energiebilanz des Hauses verbessern. Gerade bei kleinen Grundstücken können sie als Dachterrasse und damit auch als Gartenersatz genutzt werden.

Der Boom der Flachdächer in Deutschland begann vor rund einem halben Jahrhundert in den 1960-er Jahren. Der Flachdach-Bungalow galt während des Wirtschaftswunders als Statussymbol. Er stand für Erfolg und Wohlstand. Doch dann zeigten sich in vielen Fällen schwerwiegende Mängel an der Dachkonstruktion, und das Flachdach bekam in der Folge einen schlechten Ruf.

Doch inzwischen haben sich die technischen Bedingungen massiv verändert. Heute haben die Dachdecker ausgereifte Baustoffe und über die Jahrzehnte weiterentwickelte Verarbeitungstechniken zur Verfügung. Die überbetrieblichen Ausbildungsstätten der Dachdecker-Landesverbände legen in der Ausbildung einen Schwerpunkt auf das Flachdach.

„Mögliche Bedenken gegen ein Flachdach sind heute völlig unbegründet“, sagt auch Jens Frauen von der Dachdecker-Innung Hamburg. Bei einer fachgerechten Ausführung und einer regelmäßigen Dachwartung hat das Flachdach die gleiche Lebenserwartung wie ein Steildach. Und eine regelmäßige Wartung ist ohnehin für alle Dachformen gesetzlich vorgeschrieben.

Wasser steht auf einem flachen Dach länger als auf einem geneigten Dach. Daher ist die unterlassene Wartung meistens die Ursache für Schäden an Gebäuden mit Flachdächern. Dabei müssen insbesondere Laub, Moos und Äste von den wasserabführenden Elementen des Daches entfernt werden.

Eine weitere Gefahr sind schwere Schneefälle. Die Eigentümer müssen das Dach im Winter unter Umständen von der weißen Last befreien. Bei lockerem und leichtem Pulverschnee verträgt ein normales Flachdach problemlos bis zu 60 Zentimeter. Bei schwerem Nassschnee hingegen reichen eventuell schon 15 Zentimeter, um die Tragfähigkeit des Daches zu gefährden.

Doch auch hier gibt es heute technische Lösungen wie etwa das Messsystem Snowcontrol. Das System verfügt über einen zylinderförmigen perforierten Schnee-Auffangbehälter mit einer elektronischen Waage und einem Sender. Das Gerät misst permanent die Schneelast. Bei Überschreiten der Obergrenze wird per SMS und E-Mail eine Warnung verschickt.

Jens Frauen von der Dachdecker-Innung Hamburg sieht die Gefahr, dass künftig das Pultdach einen ähnlich schlechten Ruf bekommen könnte wie einst das Flachdach. Denn oftmals unterschreiten die Ziegeleindeckungen für Pultdächer die in den Fachregeln des Handwerks verbindlich angegebene Mindestdachneigung erheblich.